Komposttoilette? Was ist das?

Wir hatten zwar oft ein Chemieklo dabei, aber in unserem Sinne war dessen Benutzung nicht. Starke Chemikalien, die Trinkwasser verunreinigen und manchmal auch nicht gut riechen. Dazu kommt: Ist es - neben der Trinkwasserverschwendung und -verunreinigung - nicht viel natürlicher, auch unsere Ausscheidungen wieder der Natur zuzuführen? Und auch die Option loszufahren und die Kundentoilette bei Edeka oder einer Tankstelle zu nutzen, ist keine ökologische oder nachhaltige und auch keine bequeme Option.

 

Was also tun? Einfach ein Loch in den Boden, Balken oder Häuschen drüber und fertig? Wenn das Loch voll ist, wir umgesetzt? Dies wäre auf jeden Fall besser als Chemie oder Autofahren. 

 

Im Zuge der Recherchen zu diesem Thema bin ich dann auf interessante Punkte gestoßen ... als erstes unter dem Stichwort "Terra Preta". Unter "Terra Preta" versteht man die "schwarze Erde" der Indios im Amazonsbecken. Obwohl durch die klimatischen Bedingungen eine hohe Bodenerrosion zu erwarten wäre, gibt es immer wieder Flächen, die seit Jahrhunderten  landwirtschaftlich genutzt werden und trotzdem nicht ausgelaugt und kaputt sind, im Gegenteil bis heute sind diese Flächen ertragreich und lebendig ... wie haben die Indios dies vor hunderten von Jahren hinbekommen, dem Regenwald so fruchtbares Land abzugewinnen? Untersuchungen haben gezeigt, dass diese besondere Erde aus Holzasche, Biomasse, Küchenabfällen, Verkohlungsrückständen und pyrogenem Kohlenstoff - auch als Aktivkohle bezeichnet -  Knochen und menschlichen Fäkalien bestehen, die über einen sehr langen Zeitraum eingebracht wurden. Vor allem durch die Aktivkohle steht eine riesige Oberfläche zur Verfügung, an die sich Nährstoffe und Mineralien binden und somit über lange Zeit für die Pflanzen nutzbar bleiben. Nur zum Vergleich: Ein Gramm Aktivkohle hat eine Oberfläche von 1000-1500 qm (Quadaratmetern!) ... damit hätten knapp 5g Aktivkohle die Fläche eines deutschen Bundesliga-Fußballplatzes von 7140qm. Mit den Fäkalien, Nahrungsabfällen, Knochen und vor allem der Biomasse werden nun die Bodenorganismen gefüttert, die den so dringend benötigten Humus produzieren. Wer mehr über Humus und Terra Preta erfahren will, dem sei eine Online- & Literaturrecherche ans Herz gelegt, denn dies ist ein riesiges und wichtiges Thema. 

 

Zurück zum Thema: Nach unserer Recherche war klar, ein Chemieklo kommt nicht in Frage. Ein Plumpsklo wie früher bei Oma ist ekelig und stinkt. Einfach ein Loch in der Erde und gut, ist schon der richtige Weg aber irgendwie nicht 100% zielführend ... dann sind wir auf Komposttoiletten gestoßen. 

 

Es gibt hunderte verschiedene Bauformen und Varianten mit und ohne Urinabscheidung, eines ist aber allen Kompostklos gleich: Die menschlichen Ausscheidungen werden gesammelt, verrotten und können irgendwann als Humus entnommen werden. Der Trick im Vergleich zum alten Plumpsklo ist, dass jederzeit Luft an das Material kommt und Flüssigkeiten bspw. durch Sägespäne gebunden werden. So entstehen nicht die anaeroben Abbauprozesse und damit auch kein Gestank. Nach einer ausreichenden Zeit der Verrottung sind unerwünschte Bestandteile - wie bspw. Medikamente - im Humus nicht oder kaum mehr nachweisbar. 

 

1. Versuch im Juni: Besuch hatte sich angesagt und die brachten zwei Kinder mit ... und die Beiden machten uns am Telefon klar: Zelten ist ok, Waschen unter freiem Himmel, mit kaltem Wasser einfach aus dem Wasserfass ist ok ... aber in den Wald gehen wenn man mal muss nicht! 

Also mussten wir uns schnell etwas überlegen und so bestand die "Alphaversion" aus einer Kiste mit Deckel, Loch und einem Eimer, in dem eine verrottbare Bio-Mülltüte mit ein paar Sägespänen. Daneben stand ein Eimer mit einer Mischung aus Sägespänen, Asche, Holzkohleresten aus dem Grill und ein paar trockenen Blättern sowie einer kleinen Schaufel ... was soll ich sagen? Das Klo war der Hit! Kein Gestank und keine Fliegen,  trotz Hitze ... auf die Hinterlassenschaften des Vorgängers musste man durch die Einstreu auch nicht schauen und so ein Eimer hält erstaunlich lange ... ;) Auf den Verrottungsprozess konnten wir nach dem Wochenende nicht warten, dafür wurden die Müllsäcke vergraben. Und ob es nun am "Substrat" liegt oder nur am Eingraben ... seit ein paar Wochen blühen kleine Wiesenblumen an dieser Stelle, wo drum herum nur vertrocknetes Gras oder Sand zu finden ist. 

 

Unser Fazit: Es geht, sogar sehr gut ... eine feste Hütte mit Dach wäre schön und ein Behältnis, dass mehr als ein Wochenende ausreicht. 

 

2. Versuch: Wir haben viel gelesen und recherchiert und uns erst für einen komplexen Bauplan entschieden ... aber als dann klar war, dass dies teuer wird, jedenfalls teurer als gedacht, wurde eine ganz einfach Variante umgesetzt. Hütte mit Klobrille/Sitzgelegenheit, darunter ein 200Liter-Fass - fertig! Das Fass wurde so eingestellt, dass es einfach getauscht werden kann. Als erste Einstreu wurde Humus, Heu und Blätter in das Fass gegeben, Als weitere Einstreu steht ein Gemisch aus Sägespänen, Asche, Aktivkohle, Urgesteinsmehl, Grasschnitt und Blättern bereit, das nach jedem "Geschäft" über die Hinterlassenschaften gestreut wird. Je mehr Urin dabei ist, desto mehr Einstreu ist notwendig. 

 

Bisher hat sich das Kompostklo bewährt. Trotz 30°C++ und drei bis vier Menschen, die die Toilette regelmäßig nutzen, konnten wir keinen Gestank oder Fliegen feststellen. Durch den aufgefangenen Urin reichern wir den Humus zusätzlich mit Stickstoff an. Wir gehen davon aus, dass die ausreichende Gabe von Einstreu alle Feuchtigkeit auch langfristig bindet. Sollte dem irgendwann mal nicht so sein, bekommt der Boden Löcher und die abfließende Flüssigkeit wird in einem Kanister aufgefangen. Aber soweit ist es ja noch nicht ... ;)

 

Sollte das Fass irgendwann voll sein, wird es gegen ein anderes Fass getauscht. Je nachdem wie weit der Verrottungsprozess voran geschritten ist, kann der Humus sofort verwendet werden oder das Fass bleibt - mit Gaze abgedeckt - noch einige Zeit stehen ... je nachdem, wie sehr wir dem Vorgang dann trauen, geht der Humus auf den Kompost um noch ein weiteres Jahr zu verrotten oder wird in die Baumscheiben der Obstbäume eingearbeitet. 

 

Ach so ... wer keine Lust hat zu bauen oder eine optisch andere Lösung bevorzugt, kann sich Komposttoiletten in jeder Größe kaufen. Neben ganz einfachen Lösungen für den Wohnwagen oder das Gartenhaus die ab 20€ aufwärts zu haben sind, gibt es auch Einbaulösungen für Mehrfamilienhäuser, die sich in der Benutzung kaum anders anfühlen als die bisher gewohnten Wassertoiletten und wo im Keller ein Bioreaktor für die Humusproduktion zuständig ist. Solche Lösungen kosten dann mehrere tausend Euro. 

 

Weitere Links: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Komposttoilette

https://humanurehandbook.com/downloads/Humanure_Manual_German.pdf

 

Was haltet ihr von Kompostklos?

Wie sind eure Erfahrungen mit den verschiedenen Bauformen? 

Wir freuen uns auf eure Kommentare oder eine Diskussion in unserer Facebook-Gruppe: Klausdorfer Naturgarten - Obst, Gemüse & Kräuter aus der Region