Marienkäfer

Warum sie wichtig sind, Was sie brauchen und wie wir sie anlocken können

Warum sind sie wichtig?

Jeder kennt die kleinen roten Käfer mit den schwarzen Punkten:  Marienkäfer (Coccinellidae) Sie sind auf der ganzen Welt verteilt, es gibt sie mit unterschiedlich vielen Punkten und vielen verschiedenen Farben und die meisten fressen jede Menge Blatt- & Schildläuse und sind somit für das natürliche Gleichgewicht in deinem Garten wichtig. 

In ihre Zeit als Larve sind sie besonders gefräßig und vertilgen bis zu 50 Läuse pro Tag und bis zu 3000 Läuse und Spinnmilben in ihrer gesamten Larvenzeit - pro Larve!! Wenn du also immer wieder Läuse an deinen Pflanzen feststellst und ihrer nicht Herr wirst, ist das ein Zeichen für ein Ungleichgewicht und das Fehlen dieser wichtigen Käfer. 

Zur biologischen Bekämpfung von Blatt- und Schildläusen eignen sich fast alle Arten der Marienkäfer - ihr braucht kein Gift versprühen, dass auch andere Käfer, wie bspw. die nützlichen Maikäfer, schädigt. Wenn euer Garten irgendwann nicht mehr ausreichend Nahrung bietet, ziehen die Marienkäfer weiter und suchen sich neue Nahrungsangebote. Ein Schaden durch zu große Populationen ist - in unseren Breiten -  nicht zu erwarten. Es wird sich irgendwann ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Arten einstellen ... dies ist das Ziel unserer Unterstützung für den Marienkäfer. 

 

Eine Marienkäferlarve bei der Umwandlung zu einem Marienkäfer
Eine Marienkäferlarve bei der Umwandlung zu einem Marienkäfer

Was brauchen Marienkäfer

Marienkäfer legen ihre Eier auf der Blattunterseite in kleinen Päckchen oder Reihen, von 10 bis 60 Eiern ab. Aus diesen schlüpfen nach etwa fünf bis sechs Tagen die Larven. Das Larvenstadium dauert je nach Bedingungen zwischen 30 und 60 Tagen ... manche Arten benötigen auch bis zu einem Jahr, bis der Marienkäfer schlüpft. In dieser Zeit ist er am gefräßigsten und vertilgt jede Menge Läuse, Milben und Mehltau. Nachdem sich die Larve drei- bis viermal gehäutet hat, klebt sie sich irgendwann fest und der Marienkäfer schiebt sich aus dem "Larvenkostüm". 

 

Neben den schon genannten Futterquellen benötigen Marienkäfer auch Pollen verschiedenster Pflanzen wie z.B.  Dill, Fenchel, Kümmel, Koriander, Schnittlauch, Kamille, Schafgarbe, Ringelblume, Löwenzahn oder Klatschmohn. Alles Wildkräuter und -stauden, die schön anzusehen sind und unsere Küche bereichern können oder - getrocknet - als Tee Verwendung finden. 

Zwei Marienkäferlarven
Zwei Marienkäferlarven

Marienkäfer anlocken und unterstützen

Wenn du Marienkäfer in deinem Garten haben möchtest, müssen auch die Marienkäfer einen Grund haben dich zu besuchen und vielleicht sogar in deiner Nähe zu bleiben und sich in deinem Garten zu vermehren.

 

Das bedeutet als allererstes: Marienkäfer brauchen etwas zu fressen, deshalb: Keine Chemie!!

Insektizide die man im Handel kaufen kann wirken meistens gegen ganze Familien von Insekten und haben aus unserer Sicht mehr schädliche als gewünschte Wirkungen. Wenn ich mit chemischen Mitteln gegen bspw. Spinnmilben oder Blattläuse vorgehe, vergifte ich die Nahrungsgrundlage der Marienkäfer und es ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass ich damit langfristig auch die Marienkäfer vergifte. Dazu kommt: Ohne ein Übermaß an Nahrung gibt es keinen Grund für die Marienkäfer bei dir zu bleiben ... mehr zu Insektiziden findet ihr bspw. auf Wikipedia: Insektizid

 

Lasst die Läuse und Spinnmilben ruhig zu, sie verschwinden wieder und wenn ihr der Natur ihren Lauf lasst und eure Pflanzen ab und an natürlich unterstützt- bspw. durch Kräftigen von Pflanzen durch Jauchen oder Kräutertees und die gezielte Ansiedlung und Unterstützung  von Nützlingen - wird sich ein Gleichgewicht einstellen. In der Literatur zum Bioanbau von Gemüse oder Texten zu Permakultur finden sich oft Hinweise darauf, einfach 20-30% mehr als benötigt anzubauen und in Kauf zu nehmen, dass die Begleitfauna und -flora ihren Anteil benötigt, um im Gleichgewicht zu bleiben. Deshalb reagiert bitte nicht gleich mit der Cemiekeule, wenn die ersten Läuse auf den Blättern eurer Kirsche oder des Pflaumenbaums zu finden sind. 

 

Marienkäfer benötigen Pollen verschiedenster Pflanzen. Sie benötigen Vielfalt ... und wir haben als Menschen bisher nur ungenügend verstanden, wofür Insekten welchen Pollen oder bestimmte Nektarquellen verwenden. Bei Bienen ist es bspw. bekannt, dass sie z.T. gezielt Nektar einer Pflanze in den Waben ablegen und ebenso gezielt wieder darauf zugreifen. Ob somit die unterschiedlichen Honige von den Bienen als "Hausapotheke" genutzt werden, wie von einigen Wissenschaftlern angenommen, wissen wir nicht. Und bei Marienkäfern wissen wir es noch weniger ... deshalb lasst Vielfalt zu! Wildstauden und Wildkräuter mit offenen Blüten, die von Mai bis in den Herbst Nektar & Pollen liefern und Rückzugsmöglichkeiten die Schutz bieten helfen ihnen und vielen anderen Insekten weiter. 

Mit Heu & Stroh befüllter Tontopf als Winterquartier von Marienkäfern
Mit Heu & Stroh befüllter Tontopf als Winterquartier von Marienkäfern

Marienkäfer gezielt aussetzen

Marienkäfer und speziell Marienkäferlarven können auch gezielt gekauft und im Garten ausgesetzt werden, um bspw. eine Blattlausplage zu begegnen. Wie aber in den anderen Texten auf dieser Seite schon beschrieben: Wenn die Marienkäfer nichts mehr zu fressen und keine Überwinterungsquartiere finden, wandern sie wieder ab. 

Beim Kauf solltet ihr beachten, dass es sich oft um asiatische Marienkäfer handelt, nicht jedoch um heimische Arten, die angeboten werden. Unsere heimischen Arten wie der Zweipunkt- oder der Siebenpunkt-Marienkäfer sollten aber bewahrt werden. Deshalb kauft am besten aus Zuchten, die einheimische Marienkäferarten nutzen. 

 

Ihr findet solche Angebote bspw. auch auf Amazon: 

Winterquartier für Marienkäfer

Marienkäfer in unseren Breiten überwintern in Gruppen, vor  zu viel Nässe, übermäßiger Kälte und Fressfeinden geschützt, an den unterschiedlichsten Orten. Sobald die Temperaturen unter 12-13°C sinken, machen sie sich auf die Suche nach einem passenden Winterquartier. Sobald die Temperatur unter 0°C fällt fallen sie in eine Winterstarre mit stark vermindertem Kreislauf und zehren von im Sommer und Herbst angefressenen Fettdepots. 

 

Sie suchen nach Orten, die feucht sind und einen wirksamen Windschutz bieten. Wir finden Marienkäfer deshalb oft in in Laubhaufen, Moosschichten, in alten Baumhöhlen oder Baumrindenspalten großer Bäume, unter Steinen oder in dichten, hohen Grasschichten nicht gemähter Wiesen oder Waldränder. 

 

Es zieht Marienkäfer aber auch in die Wärme und den Schutz von Gebäuden wo sie sich in Spalten, altem Gemäuer, unter Fensterrahmen u.ä. einrichten. Sie haben hier aber nur eine Chance, wenn es kalt und feucht genug ist - in der trockenen und warmen Luft moderner Häuser haben sie keine Chance. Da sie nicht in Winterstarre verfallen oder zu oft daraus aufwachen, verbrauchen sie ihre Fettdepots, können aber keine neue Nahrung mehr finden und verhungern. Du hilfst Marienkäfern also mehr, wenn du sie wieder aus dem warmen Haus entfernst und ihnen die Möglichkeit bietest in deinem Garten zu überwintern. 

 

Wenn ihr Platz in eurem Garten habt, lasst im Sommer und Herbst ein paar Laubhaufen liegen- vielleicht unter Hecken oder in einer unbeachteten Ecke des Gartens. Die Käfer werden sie dankbar annehmen ... wenn ihr - wie wir mit Heu mulcht -nehmt einfach etwas mehr davon und legt einen großen "Heukragen" um die Pflanzen oder - bei Mulch aus grobem Häckselmaterial - eine Schicht von mind. 10-15cam. 

 

Wir sind zusätzlich dazu über gegangen an verschiedenen Stellen im Garten Tontöpfe mit Heu und Stroh gefüllt an geschützten Orten, umgedreht aufzuhängen, hier sammeln sich die Marienkäfer oft schon im Sommer und bleiben bis zum Herbst in der Nähe ... natürlich nur, wenn es ausreichend Nahrung gibt. ;) 

 

Gibt es wenig Platz oder hält dein ordnungsliebendes Auge einen Laubhaufen nicht den ganzen Winter über aus, kann man als Überwinterungshilfe auch kleine Holzkästen bereit stellen, die mit Laub und Stroh gefüllt den Marienkäfern Schutz bieten. 

Nimm dazu einfach eine kleine Holzkiste (oder bau sie dir schnell selbst) die mind. 10x10cm groß ist und über einen Deckel befüllt und kontrolliert werden kann. Ein oder mehrere Einfluglöcher von 8-10mm Größe bieten den Tieren einen Eingang. Entweder wird die Kiste vor Regen geschützt aufgestellt oder an der Ober- und ggf. Wetterseite mit einem Wasserschutz versehen. Dazu kannst du Dachpappe nehmen, oder ein altes Blech, nicht mehr benötigte Dachziegel o.ä. wieder verwenden. 

Es hat sich bei uns bewährt die Kisten mit buten Farben zu streichen, diese Kästen sind dann dekorativ und werden vermutlich leichter gefunden ... vermutlich ist es unnötig zu sagen aber trotzdem: Die Kisten wird nur von außen und nur mit unbedenklichen, auch für Kinderspielplätze zugelassenen, Farben bemalt. 

 

Der Innenraum wird locker mit Herbstlaub, Heu und Stroh befüllt und die Kiste - leicht erhöht (so finden es die Marienkäfer am leichtesten) - mit einen Stab o.ä. am Balkonkasten, Pflanzkübel, der Schuppenwand oder anderen geeigneten Orten befestigt. 

 

Entsprechende Kästen kann man fertig auch bspw. bei Amazon erwerben: 

Wildstaudengarten in Weineim
Wildstaudengarten in Weineim