DAS Mulchen des Bodens

Unter "Mulchen" versteht man das Bedecken des Bodens mit organischem Material mit dem Ziel durch natürliche Verrottungsprozesse eine optimale Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten und eine optimale Bodengare - also den perfekten biologischen und chemischen Zustand - des Bodens herzustellen. Das oft durch Landschaftgärtnereien betriebene Zerhäckseln und Verteilen von frisch gemähtem Gras auf der gemähten Wiese - landläufig auch mulchen genannt - ist nicht Teil dieses Artikels. 

Vorteile des Mulchens

Der Boden ist bedeckt

In der Natur kommt offener, unbedeckter Boden nur sehr selten vor. Die direkte Sonneneinstrahlung trocknet den Boden schnell aus, die UV-Strahlung zerstört Mikroorganismen, Wind trägt die leichten Humusbestandteile fort, durch Regen wird der humushaltige Boden weggeschlämmt ...  Offene Böden in der Natur sind öft öd, kahl, nährstoffarm und vertrocknet. Durch eine ordentliche Mulchschicht von mehreren Zentimetern Dicke werden die Mikroorganismen und Lebewesen der obersten Erschichten geschützt, weder zu starke Hitze, noch starke Sonneneinstrahlung, weder Regen, noch Wind stören die natürlichen Bodenprozesse, die wertvolle - nur wenige Zentimeter dicke - Humusschicht wird nicht verweht oder weggeschlämmt, die Temperaturregulation des Bodens wird verbessert. Im Schutz der Mulchschicht bildet und erhält sich über die Jahre eine natürliche, stabile und gesunde Humusschicht  ... die Basis unseres Erfolgs im BioGarten.  

 

Nährstoffe werden dem Boden langsam zugeführt

Die für das Mulchen verwendeten organischen Materialien werden durch die Mikroorganismen und Lebenwesen der ersten Bodenschichten abgebaut. Der bei der Verrottung entstehende Nährhumus hat einen hohen Anteil an Kohlehydraten und dient den meisten Bodenorganismen als Nahrungsquelle und ist Voraussetzung für eine hohe biologische Aktivität und die weitere Umsetzung des Materials in pflanzenverfügbaren Dauerhumus.  Dauerhumus wird nur sehr langsam abgebaut und ist das Endprodukt der Kompostierung. Dauerhumus bindet Wasser und Nährstoffe im Boden und gibt sie langsam wieder ab. Er enthält oft mehr als 90% des im Boden gebundenen Stickstoffs und ist durch seine Eigenschaften maßgeblich für die Fruchtbarkeit des Bodens im Garten.  Das Ziel jedes BioGärtners ist deshalb eine stabile, dicke Schicht mit einem hohen Humusanteil, die Nährstoffe binden und langsam wieder abgeben kann. 

 

Beikräuter werden unterdrückt 

 

In einem gesunden Boden wachsen natürlich nicht nur die gewünschten Pflanzen, durch Wind, Vögel, Säugetiere und uns Menschen werden vielerlei Samen überall hin verteilt und so sprießen schon bald nach der Vorbereitung eines Beetes an vielen Stellen kleine Pflänzchen, die bald das ganz Beet überwuchern können und alle die Arbeit die der Gärtner in das Beet gesteckt hat ist dahin ... Abhilfe schafft hier auch das Mulchen, so kann gesteuert werden, welche Pflanzen unterstützt werden und welche nicht ... so kann direkt nach der Aussaat der Teil eines Beetes abgedeckt werden, an dem keine Pflanzen erwartet werden oder - wenn man mit vorgezogenen Pflanzen arbeitet - wird direkt ein dicker Mulchkragen um die Pflanzen gelegt. Je nachdem, welche Materialien für das Mulchen verwendet werden, sollte die Schicht mind. 5-8 cam bei Rindenmulch und 15-30cm bei Heu oder Laub als Mulchmaterial betragen, um wirkungsvoll Beikräuter zu unterdrücken. 

 

Auch rund um Bäume und Sträucher sorgt eine Mulchschicht für beste Bodenverhältnisse, regelmäßige Nährstoffzufuhr und die Unterdrückung von unerwünschter Konkurrenz. Da wo es sich anbietet, werden von uns auch Wege mit organischem Material abgedeckt, um den Boden aktiv zu halten und Mikroorganismen und Lebewesen der obersten Erdschichten zu ermöglichen sich überall im Garten zu verbreiten.  

 

Mulchkragen aus Heu auf der Pflanzscheibe einer Quitte
Mulchkragen aus Heu auf der Pflanzscheibe einer Quitte
Mulchschicht aus Borkenstücken um einen kleinen Hollunder
Mulchschicht aus Borkenstücken um einen kleinen Hollunder
Ein kleiner Kürbis geschützt durch ein Mulchnest aus Heu
Ein kleiner Kürbis geschützt durch ein Mulchnest aus Heu

Nachteile des Mulchens

Es gibt auch Nachteile, die ich als BioGärtner aber gern in Kauf nehme:

 

Das Mulchmaterial stört ggf. bei der Bodenbearbeitung und muss bei Pflanzungen, Aussat o.ä. erst entfernt werden. - Ich nehme dies aber gern in Kauf. 

 

Schwere Böden, die sich im Frühjahr schlecht erwärmen, benötigen länger, bis sie durchwärmt sind. - Wir umgehen dies, indem wir bspw. dunkle Steine mit einarbeiten oder kleine "Sonnenfallen" um wärmeliebende Pflanzen aufbauen. 

 

Beim Mulchen mit Grünschnitt oder frischem Gras wird der Schneckenbefall gefördert. - Wir umgehen dies, indem wir meistens nur das Heu verwenden, das von Schnecken nur noch ungern gefressen wird. Schneckengelege unter Heubündeln oder Brettern lassen sich so auch leichter finden und Schnecken ggf. vernichten ... wobei wir dies nicht machen, bisher hatten wir keine "Schneckenplage". Durch (s)achtsamen Umgang mit der Natur haben wir ein Gleichgewicht im Naturgarten und durch Mischkulturen, Tiegerschnegel, Igel & Co. können auf diese rabiate Methode verzichten. Wenn das ein oder andere Salatblatt mal einer Schnecke schmeckt, nehmen wir dies gern in Kauf. 

Materialien zum Mulchen

Wir verwenden sämtliches organisches Material, dass im Garten anfällt. Wir nutzen unser Heu, Laub, Sägespäne, getrockneten Grünschnitt, Baum- & Heckenschnitt etc. ... zu grobes Material wird geschreddert und ggf. vorkompostiert.  Dies ist insbesondere bei harzhaltigen Tannen-, Fichten- oder Kiefernzweigen wichtig, damit die giftig wirkenden Anteile der Rinde und des Baumharzes bereits abgebaut wurden, wenn das Material eingebracht wird. 

C/N-Verhältnis

Stroh, Laub und Holz enthalten große Mengen an Kohlenstoff (C) der durch die Mikroorganismen unter Verwendung von Stickstoff (N) abgebaut wird. So kann kurzfristig ein Stickstoffmangel entstehen, der die Pflanzen in ihrem Wachstum einschränkt. Dem begegnen wir, indem wir entweder stickstoffhaltigen Grasschnitt untermischen - was aber recht aufwändig ist  - oder aber ab und an Hornspähne ausbringen. Eine weitere Alternative ist der gezielte Anbau von Pflanzen, die tiefer im Boden gebundenen Stickstoff verfügbar machen. Dazu bieten sich Leguminosen wie Luzerne, Inkarnat- oder Rotklee an ... aber auch Pflanzen wie der "Bienenfreund" (Phacelia), Gelbsenf, Lupinen oder Ackerbohnen unterstützen die Verfügbarmachung von Stickstoff im Boden. 

Langfristig steht der erst durch die Mikroorganismen verbrauchte Stickstoff aber im Boden zur Verfügung und führt zu verstärkter Fruchbarkeit. 


Heukrägen als Mulchschicht um die frisch angepflanzten Bäumche
Heukrägen als Mulchschicht um die frisch angepflanzten Bäumchen

Urgesteinsmehl

Urgesteinsmehl als Bodenhilfsstoff ist eine wunderbare Ergänzung zu den organischen Materialen. Je nach Ausgangsstoff gelangen durch die langsame Verwitterung des Gesteinsmehls Mineralstoffe, Eisen, Magnesium und Kalzium in die Böden sowie teilweise Spurenelemente wie Kupfer, Nickel, Zink und andere mehr ... 

 

Urgesteinsmehl ist leicht alkalisch und verbessert so auch saure Böden. Insbesondere die Bodenorganismen profitieren davon und wandeln die Elemente pflanzenverwertbar um. 

 

Wir geben deshalb jedes Jahr ein paar Handvoll Urgesteinsmehl in die Mulchschichten um unsere Pflanzen. 


Impressionen