Pflanzenfreunde

Unser Leben bringt immer neue Bekanntschaften ein, den unterschiedlichsten Lebewesen -  großen, kleinen, dicken, dünnen, alten, jungen, krautigen, struppigen, dornigen, beblätterten oder benadelten - begegnen wir und können uns mit ihnen vertraut machen.

Bin ich bei Freunden zu Besuch gehe ich auch immer durch ihren Garten (Fensterbretter, Balkone) und begrüße ihre Pflanzen.  Und so habe ich bisher eine Menge spannender Gewächse kennengelernt und von einigen möchte ich hier erzählen.

Der Giersch

Den Giersch habe ich als kleinen, zarten und scheinbar munter wuchernden Gartenbewohner kennengelernt, herrlich frisches Grün kombiniert mit würzigem Geruch - ein Traum.

Ich war bei einer Freundin in Bonn zu Besuch und wie immer interessierte mich auch ihr Garten - und die kleinen und großen Leute die ihn bewohnten. Ganz am Ende des Gärtleins vor einer Mauer strahlte in einem einmalig frischen Grün ein schmaler Streifen niedlich zackeliger Blättchen, ganz frisch und noch in der Entfaltung. Und es war Liebe auf den ersten Blick. Ich bückte mich und berührte vorsichtig ein Blättchen, bewunderte die feine Stiehlung, und ja, er fasste sich genauso an wie es der erste Eindruck vermuten ließ: Frisch,  zart und dabei robust.

Hinter mir hörte ich ein " Oh nein oh nein, ich dachte wir hätten alles erwischt im Herbst."  - aber damit konnte unmöglich dieses zarte wunderschöne "etwas" gemeint sein?


Strahlend schön und von allem etwas: Die Nessel.

Als ich etwa zehn Jahre alt war übernahmen meine Eltern im Sommer ein Haus mit verwildertem Garten. Im Schatten eines herrlichen Walnussbaumes und von hohen Hecken umrandet herrschte eine rauchgrüne Schar riesiger Nesseln, seit Monaten unberührt. Meine Mutter gab das Kommando zum Roden, kompletten Ausrupfen, Platz schaffen für den Wäscheplatz, und ich seh mich noch wie heute starr und staunend vor der geballten Kraft aus Wurzelwerk und Kraut stehen. Auch wenn mir Nesseln vorher durchaus bekannt waren bekam ich erst dort eine Ahnung von dieser Pflanze.

Für mich ist sie der Inbegriff von "Heilpflanze".


Ein Salat nur für Vögel? Die Vogelmiere.

Auf meinem Schulweg gab es mehrere Vorgärten, vom Bürgersteig mit Mäuerchen abgetrennt und zum Straßenniveau deutlich erhöht - der Gartenfußboden lag beinahe in Augenhöhe. Und ein Kraut fiel mir immer wieder auf, im zeitigen Frühjahr durch die zarten Blättchen, dann durch munter die Erde überspannende Ranken bis hin zu winzig kleinen an weiße Sterne erinnernde Blüten.